Jerusalem: Reise zum Nabel der Welt

Jesus-Mosaik in der Grabeskirche in Jerusalem - Städtereisen Reiseblog Reisepuzzle

Jesus-Mosaik in der Grabeskirche in Jerusalem

Um nach Jerusalem zu gelangen, kämpfen wir uns durch die Blechlawinen auf der Autobahn. Es ist ein Müßiggang Stoßstange an Stoßstange vorwärts zu kommen und in die maßvoll gedämpften Gesten und Gesichter der Autofahrer zu blicken. Und über allem lag trotz der Eile eine ernste Ruhe.

Mit Erleichterung registrieren wir, dass wir die Hälfte der Strecken von Hadera nach Jerusalem hinter uns gelassen haben. Irgendwann folgen wir in einem langen Bogen der Ausfahrt in Richtung Altstadt Jerusalem. Um uns herum erblicken wir enge Schluchten, an den Hängen schmiegen sich spärlich bewachsene Bergwälder, eine noch in Bau befindliche Bahntrasse verbindet die Hügelspitzen und am Straßenrand erinnern verrostete Panzerteile als Mahnmal an die Geschichte Israels.

Nach gut eineinhalb Stunden sind wir froh, ein sehnlichstes Ziel unserer Reise erreicht zu haben. Das Parken ist übrigens kein Problem. Denn es gibt verschiedene Parkhäuser, die in unmittelbarer Nachbarschaft zur Altstadt von Jerusalem liegen und günstig im Preis sind, wie etwa das Jaffa Gate Parking.


Die 8 Altstadt-Tore von Jerusalem


Die Altstadt von Jerusalem ist von einer mächtigen, 12 Meter hohen Stadtmauer umgeben, die einst von den Türken errichtet worden war. Es gibt insgesamt acht Altstadttore, um ins Heiligtum Israels einzutreten.

Da ist das Damaskustor und das Herodestor im Norden, das Jaffator im Westen, das Dungtor und das Zionstor im Süden und das Löwen-Tor im Osten. Das jüngste Tor zur Altstadt ist das Neue Tor, das im Vergleich zu den anderen Toren relativ klein und unauffällig daherkommt. Es liegt an der nordwestlichen Ecke des ummauerten Stadtkerns. Das einzige Tor, das nicht durchquert werden kann, ist das Goldene Tor. Es wurde im 16. Jahrhundert im Auftrag des osmanischen Sultans Süleyman I. zugemauert. Der Legende nach habe Jesus Jerusalem durch dieses Tor betreten und ‚Ende aller Tage‘ soll er hier wieder einziehen. Und bis zur Ankunft des Heilands soll es verschlossen bleiben.

Spaziergang durch die Geschichte


Durch das Jaffator betreten wir die in ein christliches, armenisches, jüdisches und muslimisches Viertel unterteilte Altstadt. Unsere Besichtigungstour beginnen wir im christlichen Viertel, dort, wo sich die Grabeskirche befindet - die Top-Adresse für viele Pilger und andere Besucher. Wir passieren die Zitadelle zu unserer Linken und folgen ein kurzes Stück der David Street mit all den Souvenirläden bis wir hin zur Erlöserkirche abbiegen. Wir verweilen dort so lange, wie es wegen der hinter uns wartenden Besucher möglich ist, bis wir schließlich zur Grabeskirche gelangen.


Das christliche Viertel


Die heilige Grabeskirche

Über die Grabeskirche ist schon viel geschrieben worden, schließlich ist sie seit Jahrhunderten das heiß ersehnte Ziel unzähliger Wallfahrer. Ihre Existenz und ihr jeweiliger Zustand kann man seit ihrer Erbauung unter Konstantin im Jahre 335 literarisch en detail nachverfolgen.

Ob gläubig oder atheistisch, der Besuch dieses christlichen Heiligtums, vor allem wegen seiner historischen Bedeutung, lohnt sich allemal. Das Gefühl zu haben, dass uns alles so vertraut vorkommt, dürfte wohl daran liegen, dass wir schon unzählige Kinofilme, Dokumentarfilme und Nachrichten gesehen haben. Bedächtig betreten wir das Gotteshaus. Es ist dunkel, der Duft von Weihrauch liegt in der Luft.

Nur wenige Schritte vom Eingangsportal entfernt befindet sich eine rötlich schimmernde Steinplatte auf dem Boden, die von zahlreichen oberhalb hängenden Öllampen beleuchtet wird. Hierbei handelt es sich um den Salbungsstein, sprich der Ort, wo Jesus für die Beerdigung gesalbt und in Leinentücher gewickelt wurde. Viele der Besucher knien sich vor ihr hin und küssen ihn.

Zu unserer Rechten führt eine steile Steintreppe zum Berg Golgatha, den Ort, wo Jesus am Kreuz starb. Es wird noch dunkler und noch mehr Besucher stehen um uns herum. Allmählich erkennen wir einen prachtvollen Altar und den Felsen, auf dem Jesus während der Kreuzigung gestanden haben soll. Wir verweilen kurz und steigen über eine gegenüberliegende Treppe wieder hinab.

Wir nähern uns der Hauptkuppel, wo sich der Eingang der Engelskapelle und das Heilige Grab befinden. Aufgrund des engen Zugangs hat sich eine lange Menschenschlange gebildet, die darauf wartet, an den Ort zu gehen, wo der Überlieferung zufolge Jesus nach seiner Kreuzigung zu Grabe gelegt wurde. Einen ganz besonderen Moment erleben wir, als wir am eigenen Leib miterleben dürfen, wie die Kapelle in der Grabeskirche nach ihrer Restauration wieder eröffnet wird. Entsprechend groß ist auch der Andrang von Fernsehkameras und Journalisten aus der ganzen Welt.

Anschließend begeben wir uns zur Krypta der heiligenden Helena. Dazu steigen wir über eine ausgetretenen Marmortreppe hinab. An den Wänden sehen wir unzählige Kreuze, die von Pilgern und Kreuzrittern im Laufe der Zeit dort eingeritzt worden waren.

Reisetipp: Einen herrlichen Rundumblick hast Du vom Turm der Erlöserkirche aus. Es handelt sich hierbei um eine deutsche evangelische Kirche, die im Jahr 1893 bis 1898 im christlichen Viertel der Altstadt von Jerusalem erbaut wurde.

Das muslimische Viertel


Wir verlassen den Mittelpunkt der Welt und gehen ins arabische Viertel der Altstadt. Hier reihen sich Läden an Läden - man könnte glauben, dass der Handel keine Grenzen kennt. Die schmalen Gassen wirken schäbig und vernachlässigt. Gleichzeitig überkommt uns das Gefühl - hier erleben wir den Orient pur in all seinen Facetten. Es ist quirlig und lebendig. Händler bieten ihre Waren feil. Ein Duftteppich aus arabischen Gewürzen schwebt über uns. Es wird geschoben und gedrängelt.

Der Felsendom sowie die Al-Aqsa-Moschee ist nur Muslimen vorbehalten, die über einen Umweg über eine hölzernen Rampe nahe der Klagemauer zu erreichen sind. Und auch wenn wir selbst nicht auf das Plateau hinauf dürfen, so können wir die architektonische Vollkommenheit des Felsendoms - ein Oktogon mit jeweils 20,5 Metern Länge – mit seiner goldenen Kuppel und den farbenprächtigen Mosaiken aus der Ferne bewundern.

Das jüdische Viertel


Die Klagemauer

Das Gedränge lässt kaum nach, ganz im Gegenteil. Je mehr wir uns dem Tempelberg mit dem Wahrzeichen Jerusalems und der Klagemauer nähern, wird es in den manchmal labyrinthartigen Gassen noch dichter. Doch bevor wir zur Klagemauer dürfen, müssen wir zuerst durch eine Sicherheitskontrolle an der Grenze zum Vorplatz. Geschafft.

Vor uns erstreckt sich eine 48 Meter lange und 18 Meter hohe Mauer, die Teil der Ummauerung des Tempelberg-Plateaus mit Felsendom und Al-Aqsa-Moschee ist. Um sich der Klagemauer nähern zu dürfen, gehen Mann und Frau spätestens jetzt getrennte Wege. Denn hier wird Geschlechtertrennung ganz groß geschrieben - eine kleine Holzwand trennt beide Bereiche voneinander ab, wobei der Bereich der Frauen wesentlich kleiner ist.

Wir entfernen uns von der Klagemauer entdecken den Rest des jüdische Viertels. Hierbei fällt uns sofort seine Ruhe auf. Wir schlängeln uns durch enge, verschlungene Gassen, auf gepflasterten Wegen und erreichen die Hurva-Synagoge. Zu guter Letzt stehen wir auf der Römerstraße Cardo Maximus, die von Geschäften und Galerien gesäumt wird.

Das armenische Viertel


Von die vier Altstadt-Vierteln von Jerusalem fristet das armenische Viertel ein eher stiefmütterliches Dasein. Denn aufgrund des asketischen Lebens der armenischen Mönche gibt es hier nur ganz wenige, aber nicht minder eindrucksvolle Sehenswürdigkeiten, wie etwa die St. Jakob-Kathedrale. Es befindet sich zwischen Jaffa- und Zionstor. Hier stoßen wir vor allem auf armenisches Keramik-Kunsthandwerk.

Der Ölberg


Unser Rundgang durch die Altstadt von Jerusalem ist beendet. Wir fahren mit dem Auto zum Ölberg mit dem Garten Gethsemane, um von dort einen wunderschönen Panoramablick mit unseren Fotokameras festzuhalten. Auf unserer Fahrt dorthin müssen wir allerdings in den stark arabisch bevölkerten Teil von Jerusalem fahren. Ein Kontrollposten weist uns darauf hin, dass wir vorsichtig sein sollen.

Dass hier ein anderer Ton herrscht, erkennen wir allein schon daran, dass die israelischen Polizeibeamten und deren Fahrzeuge schwer bewaffnet sind. Sicher und ohne besonderen Vorkommnisse erreichen wir den Ölberg. Dort, wo der uralte jüdische Friedhof liegt und uns einen fantastischen Blick auf die Altstadt von Jerusalem geboten wird.

Reisetipp: Der Parkplatz oberhalb des Ölbergs ist zwischen 7 und 8 Uhr am Morgen beinahe Touristen leer, so dass Du bei gutem Licht erstklassige Panoramabilder fotografieren kannst.

Der Garten Gethsemane


Am Fuße des Ölbergs liegt der Garten Gethsemane mit seinem uralten Olivenhain. Einige der Bäume stammen noch aus der byzantinischen Zeit, die heute von Franziskaner-Mönchen gepflegt werden. Ein schlichtes Holzschild in der Südostecke markiert den Olivenbaum, den Papst Paul II. im Jahr 2000 gepflanzt hat.

In unmittelbarer Nachbarschaft steht die Kirche der Nationen. Beide Hotspots befinden sich auf einem kleinen Areal mit demselben Eingang am Weg nach Jericho. Die Fassade des römisch-katholischen Sakralbaus glitzert im Sonnenlicht. Wir durchqueren ein opulentes Eingangsportal mit riesigen Säulen und gelangen ins Innere der dreischiffigen Kirche. Der Innenraum ist dunkel und wenig pompös ausgestattet.

Öffnungszeiten: 8.00-12.00 und 14.30-17.00 Uhr (Nov.-März) oder 14.30-18.00 Uhr (April-Okt.) Kurze Hosen und ärmellose Blusen sind untersagt.

Unser Fazit


Inzwischen ist es Abends geworden und wir machen uns wieder auf den Weg nach Hadera. Für uns ist unsere Städtereise nach Jerusalem eine unbezahlbar, unbeschreibbare und im wahrsten Sinne unfassbare Erfahrung gewesen. Sicherlich hätte uns noch zwei weiterer Tage in Jerusalem gut getan, um mehr über die Altstadt zu erfahren, aber für einen ersten Eindruck reicht eine eintägige Stadtbesichtigung vollkommen aus.

Reisetipp: Es gibt in der Altstadt von Jerusalem so vieles zu entdecken, daher solltest Du Dir unbedingt einen Tour-Guide buchen.

Um sich bereits vor der Reise über das kontrastreiche Israel zu informieren, empfehlen wir einen guten Reiseführer, wie etwa den DuMont Reise-Handbuch Reiseführer Israel, Palästina, Sinai: mit Extra-Reisekarte*.

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