Blick auf die Caldera von Santorin - Reiseblog Reisepuzzle Städtereisen für Paare und Pärchen

Santorin: Zwischen Traum und Wirklichkeit

von Reisepuzzle
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Wie kommt man eigentlich auf die Idee, einen Abstecher nach Santorin zu machen? In unserem Fall war es eine Mischung aus einem Kindheitstraum und einer passenden Gelegenheit.

 Aus einem Kinderbuch wusste ich, Anna, dass es einen besonderen Ort auf Erden gibt – eine felsige Insel, genauer gesagt eine von den Kykladschen Inseln, die aus einer Vulkaneruption geboren wurde. Während schwarze-rote Steinstrände die Ufer der Insel säumen, thront hoch oben auf den Klippen eine schneeweiße Stadt.

Schon damals sagte ich zu mir, dass ich eines Tages in meinem Leben dort hin reisen möchte. 

Der andere Grund, der eine wesentliche Rolle gespielt hatte, war die Tatsache, dass wir unseren diesjährigen Sommerurlaub auf Kreta verbringen wollten. Von Kreta aus ist es mit der Fähre nur ein Katzensprung nach Santorin. Und so packten wir die Gelegenheit am Schopf, die weiß-blauen Kirchen, die unverkennbare Santorin-Visitenkarte, durch die Objektive unserer Kameras zu sehen und auf einer Städtereise für Paare live zu genießen.

Mit dem Ziel, während unseres zweitägige Inselausflugs den berühmten Sonnenaufgang und -untergang zu erleben, buchten wir im Loizos Apartment in Fira unsere Übernachtung und waren auch sehr gespannt, welche Lichtverhältnisse uns erwarteten. Vom Standpunkt eines (Amateur) Fotografen aus, wusste wir natürlich, dass die schönsten Bilder in der goldenen bzw. blauen Stunde entstehen, wenn das Licht lange Schatten wirft und die Farben soft in der Luft liegen.

Obwohl die Fähre während unserer Überfahrt bereits mit Touristen maßlos überfüllt war, läuteten bei uns noch keine Alarmglocken. Wir waren auf dem Weg zu einer beschaulichen Insel mit verträumten Kirchen und einer beachtlichen geologischen Vorgeschichte.

Eine Schiffsfahrt rund um Santorin - Reiseblog Reisepuzzle Städtereisen für Paare und Pärchen

Eine Schiffsfahrt rund um Santorin.

Vom weiten begrüßte uns der Blick auf die Caldera, mit ihrer Vielfalt an Farbtönen von Hellocker über alle Brauntöne bis zu Tiefschwarz. All dies spiegelte sich im blauen Meer wider.

In unseren Köpfen schoss sogleich der Gedanke, dass Santorin im Vergleich zu Kreta eine völlig andere griechische Insel war. Denn sie wurde aus der Lava errichtet, die bei einem Vulkanausbruch im Jahre 1660 v.Chr. aus dem Meer quellte. Als der Hauptteil des Vulkans in den Fluten des Meeres versank, entstand der heutige kleine Archipel von Santorin, sowie die Nachbarinseln Thirasia, Palaia und Nea Kameni.

Am Rand der Caldera (spanisch für Kessel) lagen Städte und Dörfer dicht an dicht gedrängt, die sich am Vulkangestein der steilen Klippen festkrallten.

Der idyllische Blick vom Meer her endete abrupt am klitzekleinen Fährhafen: Hier tummelten sich Touristenbusse, Touristen und Autos. Zum Glück waren wir mit dem Mietwagen gekommen, so dass wir dem Trubel schnell entfliehen konnten. Hinter uns bildete sich eine Buskolonne, die sich Stoßstange an Stoßstange den schmalen Serpentinenweg hinauf schleppte. Ein Weg, ein Ziel – der Touri-Troß zog in Richtung Insel-Hauptstadt Fira. Sie wurde im späten 18. Jahrhundert auf der Klippe westlich der Caldera erbaut. Hier erwarteten uns noch mehr Touristen! Wahnsinn, die ganze Straßenzüge waren überfüllt mit Hotels, Restaurants und Touristen-Geschäften! Kaum etwas erinnerte uns an die ruhige, gelassene Lebensart der Griechen und schon gar nicht an ein entspanntes Urlaubsfeeling. Was zurück blieb, war die einmalige Lage sowie der malerische Panoramablick aufs Meer. Der Rest des einst idyllischen Eilandes wurde vom Massentourismus in Beschlag genommen.

Anmerkung: Der zentrale Theotokopoulou Platz vor der Kirche wurde von Hochzeitspärchen regelrecht okkupiert. Die Insel ist wohl bei ’Love immigrants‘ sehr gefragt.

Im Hotel eingecheckt, wollten wir ein ruhigeres Plätzchen suchen und entschieden uns für einen Abstecher in den Norden der Insel. Das Dörfchen Oia schien uns dafür bestens geeignet zu sein. Pustekuchen! Die schmalen, labyrinthartigen Straßen und Gassen waren restlos mit Touristen überfüllt. Von Fotografieren konnte hier nicht der Rede sein. Nur wenn man über die Köpfe der anderen hinweg auf den Auslöser drückte.

Busse quetschen sich auf engen Straßen auf Santorin - Reiseblog Reisepuzzle Städtereisen für Paare und Pärchen

Verkehrschaos auf der griechischen Insel Santorin.

Wir mussten zusehen, wie wir aus dem Massenkuscheln und Geschubse rauskommen. Letztendlich hatten wir Glück: Unweit des Touristen-Busbahnhofs entdeckten wir das nette Cafe ’Edwin‘. Überraschenderweise gab es dort kaum Gäste, aber dafür endlich Ruhe und wirklich leckeren Frappuchino mit Baklava, eine Blätterteig-Süßigkeit mit Honig und Nüssen. Der Tag war vorerst gerettet.

Gestärkt und dem Tag wohl gesonnen machten wir uns auf den Weg zum Strand. Unterwegs – parallel zur Hauptverkehrsroute der Insel – wurde es immer ruhiger und am Ende wurden wir sogar mit den inseltypischen Windmühlen belohnt.

Der Baxedes Strand lag nicht weit entfernt nördlich von Oia. Dieser Küstenabschnitt bestehend aus schwarzen Lavastränden erwies sich als traumhaft schön. Sonne, Meer, leckere, coole Drinks und kaum Menschen. Wir ließen die Seelen baumeln!

Am späten Nachmittag riskierten wir erneut eine Fahrt nach Oia. Mit einem gemütlichen Umherschlendern war wieder nix. Doch plötzlich entdeckten wir in einer abgeschiedenen Gasse (für Oia-Verhältnisse eine Straße) von Touristen ungestörtes Leben.

Die letzte Touristenfalle für den Tag, anders lässt sich dies wohl nicht besser beschreiben, erwartete uns beim Abendessen. Wir fragten im Hotel nach einer Empfehlung für ein gutes Restaurant, um einen romantischen Abend zu genießen. Eine der drei genannten Adressen war das Restaurant Argo. Ein schönes Restaurant gehobener Klasse mit einem bezaubernden Blick über die Caldera im Sonnenuntergang und hochwertiger Küche. Aber voll mit ’Love immigrants‘, sprich unzähligen Pärchen. Mindestens drei Pärchen, die wir gegen Mittag am Platz vor der Kirche gesehen hatten, konnten wir wieder erkennen. Tja, sie wollten wohl auch den Tag romantisch ausklingeln lassen. Empfehlenswert war auf jeden Fall der Wein. Santorin Nykteri – kristallklarer, weißgelber Wein mit reichem, aromatischem Charakter. Er passte ausgezeichnet zu unserem Fisch und den Meeresfrüchten.

Windmühlen-Power auf Santorin - Reiseblog Reisepuzzle Städtereisen für Paare und Pärchen

Auf der Fahrt zum Red Beach sehen wir malerische Windmühlen.

Am nächsten Tag unserer Städtereise begannen wir noch bei Sonnenaufgang mit dem Besuch des Red Beach. Er gehörte zu den außergewöhnlichsten Stränden der Insel. Denn er bestand aus feinem schwarzen und roten Kies. Besonders schön waren hier auch die Farben des kristallklaren Wassers. Gegen elf Uhr wurde es aber richtig voll. Es kamen die Fotografen mit ihren Brautpaaren, um an den angrenzenden Felsen ihre Hochzeitsfotos zu schießen. Schnell weg!

Da wir die Zeit zum Frühstücken verpasst hatten, stärkten wir uns mit Weintrauben und griechischen Kaffee. Ohne viel Zeit zu vertrödeln, ging es anschließend in Richtung Süden. Dort gab es noch einige Sehenswürdigkeiten, die wir sehen wollten. Im Gegensatz zu Fira und Oia war der Süden der Insel deutlich ruhiger. Und abgesehen von den Bussen, die zu den All-inclusive Hotels fuhren, war diese Gegend weitgehend von Touristen verschont geblieben.

Unser erste Stop war das Emporio Village. Der pittoreske Ort stammte aus der mittelalterlichen Epoche der Insel. Wir bewunderten die Reste der venezianischen Burg ’Goulas‘. Das ’Castelli‘ mit seinen engen Gassen, winzigen Häusern und Kirchen erwies sich als ein Wunderwerk der Architektur.

Allmählich bekamen wir Hunger und wir machten uns auf die Suche nach einer einladenden Taverne. Getreu nach dem Motto ’Wer suchet, der finde!‘ kehrten wir für unseren Lunch-Stop in die gemütliche Taverne namens ’Bacchus‘ ein. Griechische Gemütlichkeit, keine Hektik und köstliches Essen. Wir entschieden uns für einen griechischen Salat nach Santorin Art. Der Unterschied zum „einfachen“ griechischen Salat lag darin, dass die Santorinsche Variante ohne Gurken zubereitet wurde, dafür aber mit Fisch. Sonnengereifte Tomaten, Oliven, Feta am Stück, rote Zwiebeln, Kapern und getrockneter Fisch. Alles mit Salz, Pfeffer und Olivenöl abgeschmeckt. Purer Genuss!

Der letzte Besuch auf der Insel galt der antiken Thira, auch Thera genannt.
An dieser Stelle erlaube ich mir einen kleinen historischen Exkurs in die Geschichte und Namensgebung der Insel.

Mit dem Esel auf Santorin unterwegs - Reiseblog Reisepuzzle Städtereisen für Paare und Pärchen

Touristen lieben einen Ritt mit dem Esel.

Der allgemein bekannte Name der Insel Santorin wurde im 12. Jahrhundert von Venezianern vergeben, die eine frühchristliche Basilika beim heutigen Perissa Santa Irini nannten. Daraus wurde später Santorini, was im Deutschen heutzutage Santorin heißt. Der ursprüngliche Name lautete jedoch Thira. Der Sage nach gründete Theras eine spartanische Kolonie und benannte sie Thera, was als ’die Wilde‘ wiedergegeben werden kann. Griechen nennen die Insel nach wie vor überwiegend Thira.

Die hellenische Stadt Alt-Thira liegt auf dem 300 Meter hohen Messa Vouno, dem höchsten Berg der Insel. Alt-Thira wurde im 9. Jahrhundert v. Chr. gegründet und war 1.500 Jahre lang bewohnt.

Wir erreichten die Ausgrabungsstätte über eine schwindelerregende Serpentinenstraße. Nichts für Grobmotoriker beim Lenken! Oben angekommen mussten wir allerdings eine Enttäuschung hinnehmen – denn die Öffnungszeiten für Besucher waren nur bis 14 Uhr. Na, so was! Das müssen wir nächstes Mal besser planen. Wir genossen in aller Ruhe den bezaubernden Ausblick und machten uns auf den Weg zum Hafen. Gegen 17 Uhr fuhr unsere Fähre zurück nach Kreta.

Es waren schöne – wenn auch sehr turbulente – zwei Tage einer Städtereise für Paare. Uns schien es, dass der kleinen Insel vom Massentourismus ein Tick zu viel abverlangt wurde. Nichtsdestotrotz konnten wir die bedächtige und würdevolle Seele der Insel spüren und mit etwas Fantasie uns vorstellen, wie es hier einmal gewesen sein musste bei malerischen Sonnenuntergängen, jahrhundertlangen Landwirtschaft– und Fischereitraditionen und gemütlicher Lebensweise.

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